Menschen

Hier publizieren wir Gedanken und Artikel zu Themen rund ums Leben, um Beziehungen zu anderen und zu sich selbst.

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Info: Die neueren Themen sind seit 2010 in die Newsletters eingebunden,
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42 Tage danach - gehören Sie zu den 8% oder zu den 92%?
 

 

 

 

Sicher die Hälfte der Menschen in unseren Breitengraden fassen an der Jahreswende gute Vorsätze fürs Neue Jahr – aber nur acht Prozent erreichen das gewünschte Ziel.

Offensichtlich wissen wir nicht so richtig, wie man sich etwas abgewöhnt, oder – besser – etwas gutes Neues angewöhnt. Selbstveränderung ist schwieriger, als wir glauben. Sie ist sogar dann schwer, wenn es um Leben und Tod geht: 90 Prozent aller Herzinfarktpatienten schaffen es nicht, ihren Lebensstil dauerhaft zu verändern, um länger und gesünder zu leben - Gewohnheiten sind also enorm hartnäckig!

Es reicht beispielsweise nicht, sich das Rauchen oder das allzu üppige Essen abzugewöhnen. An die Stelle der alten Gewohnheit muss eine neue, bessere treten, sonst ist der Rückfall vorprogrammiert. Das erfordert Energie, Übung, Durchhaltevermögen, Willenskraft und Wissen darüber, was uns bei der Umsetzung hilft. Gehirnforscher gehen nämlich davon aus, dass es sechs bis neun Monate braucht, um einen neuen Pfad im Gehirn auszubilden, der uns dann zur dauerhaften Gewohnheit wird.

Aber nur wirkliche Veränderungen bringen uns weiter, verbessern unser Leben, machen uns psychisch und körperlich gesünder, und verwandeln uns in lernende, ihr „altes Ich“ überwindende Wesen.

„Selbstveränderung ist möglich. Wir brauchen dazu Wissen und Mut. Zunächst gilt es zu lernen, nach welchen Mechanismen unser Denken, Fühlen und Handeln funktioniert … und wir brauchen Entschlossenheit, uns neu zu erfinden“ (R. Arnold, Emotionsforscher)

Hier ein paar Tipps für eine erfolgreiche Selbstveränderung:

  • Sich den Vorsatz schmackhaft machen
    Statt „weg von“ (schlechten Gewohnheiten) „hin zu“: Wie erleichtert werde ich nächste Woche sein, wenn ich – also ein konkretes, erfreuliches und lustbetontes Ziel formulieren.
     
  • Wissen ist gut, Erfahrungen sind unabdingbar
    Kaufen Sie sich ruhig ein, zwei Bücher, wie Sie Gewohnheiten verändern können. Die überschaubaren Bücher der „Simplify your life“-Serie sind durchaus empfehlenswert. Aber: Das Gehirn bildet neue Gewohnheiten ausschliesslich durch Einüben und Erfahrung aus.
     
  • Strategie der kleinen Schritte
    Nehmen Sie sich nicht zuviel auf’s Mal vor. Fassen Sie sich ein Ziel und zerlegen Sie es in überschaubare, einfache erste Schritte. So haben Sie reelle Chancen auf Erfolg – und auf ein Erfolgserlebnis
     
  • Einen zeitlichen Rahmen setzen
    Formulieren Sie ein zeitlich begrenztes Projekt (Projekte haben bekanntlich einen Anfang und ein Ende): Der Aufräumtag, die alkoholfreie Woche, Steuererklärung in drei Tagen.
     
  • Erfolgserlebnisse durch Kaizen (jap. Strategie der kleinen Schritte)
    Täglich zehn Minuten Meditation - nicht mehr, dafür jeden Tag. Oder jeden Samstag ein Zimmer während 30 Minuten aufräumen. Oder täglich einen Gegenstand entrümpeln.
     
  • Veränderungen festhalten
    Dokumentieren Sie Ihre Erfahrungen und Fortschritte in einem Büchlein, in einer Agenda, führen Sie Protokoll, wenn Sie das mögen. So erhalten Sie Erfahrungswerte, vielleicht sogar konkret messbar (Körpergewicht, Anzahl Zigaretten). Erstellen Sie eine Punktetabelle für die nicht messbaren Ziele, zum Beispiel bei Verhaltensweisen: Heute gebe ich mir 10 Punkte (sehr gut gelungen) zB. für meine Pünktlichkeit, meine Geduld mit den Kindern, meine Konzentriertheit bei der Arbeit, meine Ordnung auf dem Schreibtisch, etc.


Sind Sie fair zu sich: Rückschläge gehören dazu, lernen Sie daraus. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Statt aufzugeben, wenn Sie „schwach“ werden oder „scheitern“ ist es sinnvoller, die Gründe des Rückschlags zu untersuchen: Was ging der Situation voraus? Warum hat die Abwehr/mein Wille nicht funktioniert? Wie könnte ich diese in einer nächsten Situation stärken.

Fazit: Vernunft und Wollen alleine genügen nicht – es braucht ein gutes Stück Selbsterkenntnis. Entdecken Sie sich selbst und werden Sie ein lernender, sich selbst verbessernder und lebendiger Mensch.

Viel Spass!

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Männer und Aufstellungen

(Familien-, Partnerschafts-, Berufs- und Lösungsaufstellungen)
 

 

 

 


Mehrheitlich sind es Frauen, welche am Familienstellen interessiert sind und sich zu Seminaren anmelden. Dabei sind Männer genauso Teil von Familiensystemen und haben eine ebenbürtige Rolle als Partner, als Vater und als Mann inne. Viele Frauen wünschen sich, dass ihre Männer ebenso Interesse am Familienstellen haben, weil sie es als Möglichkeit sehen, an so einem Seminar neue Impulse für die Ausgestaltung der Beziehung und gegebenenfalls Lösungsansätze für Paarkonflikte sehen. 

Glücklicherweise haben wir in unseren Seminaren oft einen vergleichsweise grossen Männeranteil.

Als Mann und aus meiner eigenen ersten Erfahrung mit dem Familienstellen kann ich die Zurückhaltung der Männer nur zu gut verstehen. Eigentlich beschäftigen uns innerlich viel mehr Themen, als wir nach aussen zeigen. Klar, da wären wir ja Schwächlinge, wenn wir zugeben würden, dass wir vieles gar nicht so im Griff haben, oder dass wir unglaublich viel Energie verbrauchen, um unser nach aussen sorgfältig aufgebautes Image aufrechtzuerhalten. Denn wir haben gelernt: Du musst hart arbeiten, gute Noten nach Hause bringen, viele Tore im Fussball schiessen, Leistung erbringen, kräftig sein, weiterkommen – dann bist Du richtig, dann bist Du gut, dafür kriegst Du Anerkennung. Aber: Du darfst nicht schwach sein, auch nicht traurig, nicht verlieren und weinen liegt überhaupt nicht drin, du sollst keine Schmerzen haben, innere Schmerzen schon gar nicht. Auf die Zähne beissen ist angesagt – denn sonst bist Du kein Mann, sondern ein Schwächling, ein Versager, ein Weichei.

Im Mix zwischen Beruf, Familie, Partnerschaft, Erziehung und eigenen Bedürfnissen wird es dann zunehmend schwierig, dem vermeintlich optimalen Bild des zielorientierten, hart arbeitenden und erfolgreichen Berufsmann, des verständnisvollen und zärtlichen Ehemanns, dem fürsorglichen und liebevollen Vater zu entsprechen…. Dabei hätte man(n) auch mal eine Schulter zum Anlehnen und Streicheleinheiten nötig!

Und deshalb sperren wir Männer Themen aus, die uns verunsichern. Wo wir nicht ‚unseren Mann stehen können’ - bei denen die eingeschliffenen Muster nicht greifen. Wenn es um Gefühle geht und darum, unser wirkliches Befinden auszudrücken, dann wird es vielfach schwierig. Woher sollen wir denn wissen, dass das o.k. ist? Was wurde uns vorgelebt? Welche Unterstützung haben wir wirklich erlebt beim "Mann-Werden"?

Deshalb sind gerade Familienstellen-Seminare eine riesige Chance für Männer: Sie sind nicht an irgendwelchen höheren Lebensweisheiten ausgerichtet, sondern die Anliegen sind reale Themen aus dem Leben der Teilnehmenden, die Aufstellungen sind lösungsorientiert und es gibt unglaubliche Impulse für das eigene Leben. Der Rahmen unserer Seminare ist „Du bist richtig wie Du bist“ - für jeden Teilnehmer. Aus dieser urteilsfreien kleinen Welt ergeben sich gute Gespräche mit den anderen.

Mit dem Familienstellen können Männer entscheidende Einblicke haben, welche sie weiterbringen. Sie können sehen, welche Entwicklungschancen in der Partnerschaft, in der Erziehung und in der Gestaltung des eigenen Lebens bereit liegen.

Ich freue mich, Dich in einem unserer Seminare begrüssen zu dürfen – von Mann zu Mann
Herzlich, André

PS: Familien-, Berufs- und Lösungsaufstellungen können auch in Einzelsitzungen - oder ihm Rahmen eines begleitenden persönlichen Coachings erfolgen.



Patchwork

 

 

 

 

Patchwork bedeutet in der Übersetzung "Flickwerk" und bezeichnet ursprünglich eine Technik der Textilgestaltung, bei der einzelne Stücke aus verschiedenen Stoffen zu einer grösseren Fläche zusammen genäht werden.

 

Heute bezeichnet Patchwork auch die "zusammen gesetzte Familie". Der traditionelle Begriff hierfür ist die Stieffamilie. Diese bezeichnete ursprünglich eine Familie, bei der mindestens ein Elternteil ein Kind aus einer früheren Familie mit eingebracht hatte. Dies kam früher öfter vor, da Frauen noch häufiger bei der Geburt starben und die Männer im Krieg fielen.

 

Seit Ende des 20. Jahrhunderts entstehen Trennungen der Kernfamilie (Vater-Mutter-leibliche Kinder) hauptsächlich durch Scheidungen, so dass sich ganz andere Konstellationen ergeben. So wird heute die Stieffamilie vom Volksmund umfassender verstanden und umfasst alle Arten von zusammen gesetzten Familien, wie zum Beispiel auch nicht-eheliche Lebensgemeinschaften, Familien mit Pflegekindern usw.
 

Die geänderten Verhältnisse finden ihren Ausdruck auch in der Kreation dieses neuen Begriffs für die Stieffamilie als "Patchwork-Familie". Heute leben in Deutschland (die Zahlen in der der Schweiz dürften ähnlich sein) 7 % der Familien in "Patchwork" zusammen - Tendenz stark steigend.

 

 

Männer, Frauen und die Patchworkfamilie

 

Als wäre das Gelingen der Paarbeziehung zwischen Frau und Mann nicht schon herausfordernd genug, sind heute immer mehr Familien mit den Herausforderungen einer Patchworkfamilie konfrontiert. Der Traum der "heilen" Familie ist vielerorts zerplatzt, das Lebenskonzept "bis das der Tod uns scheidet" musste geändert werden, verschiedene Eltern, die für verschiedene Kinder zuständig sind, müssen sich arrangieren, absprechen und miteinander auskommen. Viel Organisationstalent und -bereitschaft, Flexibilität und Toleranz ist da gefragt.

 

Damit eine solche Konstellation eine Chance hat, ist es wichtig, grundlegende systemische Prinzipien zu beachten:

 

Die Achtung und der Respekt vor meinen eigenen vorherigen Partnern

Niemand ist allein "schuld". Das Abstempeln der Ex-Partner als "Schuldige"  oder "Böse" ist eine der grössten Fallen für das Wohl der Patchworkfamilie. Denn so wie ich meine Ex-Partner  bewerte, so bewerte ich am Ende meine damaligen Gefühle und damit mich selbst. Konstruktiver ist es, sich zu erinnern, was Sie damals geliebt haben an ihrem Partner/ihrer Partnerin und was sie alles für Sich lernen konnten in der Beziehung. So schaffen Sie einen guten Boden für etwas Neues.

Die Achtung und der Respekt vor der vorherigen Familie des Partners

Die noch grössere Falle ist die Abwertung der Ex-Partner des Partners. Es ist einfach verführerisch, zu finden, dass der/die Ex des Partners/der Partnerin sich falsch benimmt und einfach charakterlich daneben liegt. Bedenken Sie: auch das war einmal Liebe und für Ihren Partner/Ihre Partnerin war diese Beziehung ganz sicher wichtig. Und vielleicht hat Ihr Partner/Ihre Partnerin einiges gelernt, was Ihnen jetzt zugute kommt. Dafür könnten Sie doch eigentlich dankbar sein, oder?

Kinder brauchen beide Elternteile

Kinder spüren wie Seismographen die Gefühle und Wertungen der Erwachsenen, auch die nicht ausgesprochenen. Aus den Erfahrungen in Aufstellungen wissen wir, wie sehr Kinder leiden, wenn Ihre Eltern voneinander schlecht sprechen oder sie sogar zu einem Elternteil keinen Kontakt haben (dürfen). An der Oberfläche zeigt sich das in verschiedensten Störungen (Streit, schlechte Schulleistungen, Kratzbürstigkeit, Orientierungslosigkeit usw.).  In den Aufstellungen können wir dann immer wieder sehen, was wirklich ist: eine tiefe Sehnsucht nach beiden Elternteilen. Deshalb: Ermöglichen Sie Ihren Kindern den Kontakt und die Liebe zu beiden Elternteilen!

 

Alle gehören zum System dazu! Wenn Sie das beherzigen können, haben Sie gute Aussichten auf ein fried- und freudvolles Familienleben. Und etwas ändern können immer nur Sie selbst.

 

Weiter führende Literatur zu systemischen Dynamiken in Partnerschaft und Familie:

 

   "Wie Liebe gelingt" Die Paartherapie Bert Hellingers, Hrsg.: Johannes Neuhauser

   "Wie Liebe, Familie und Beruf zusammen geht"    Hans Jellouschek

 

Euro2008: «Wenn die Couch zur Kampfzone wird»

Interview mit Anke Hintermann
20Minuten, Ausgabe vom 29. Mai 2008

 

 

 

 

von Tina Fassbind

Wenn nächste Woche die Euro 08 startet, droht ein dreiwöchiger Dauerstreit um die Fernbedienung. Fachleute geben Tipps zur Wahrung des Hausfriedens.

Nicht immer herrscht zwischen Paaren friedliche Eintracht an der EM.

«Schatz, ich möchte den Rosamunde-Pilcher-Film schauen» – «Geht nicht. Heute spielt die Schweiz gegen Portugal.» So oder ähnlich wird es im kommenden Monat in manchen Haushalten tönen. Die Fussballeuropameisterschaft droht zum ehelichen Minenfeld zu verkommen, wenn man nicht frühzeitig Gegensteuer gibt.

Zusammen sitzen und reden

Damit sich Paare nicht im täglichen Kampf um die Fernbedienung erschöpfen, rät die Paartherapeutin Anke Hintermann zu einem frühzeitigen Gespräch. «Am besten setzen sich beide zusammen und jeder darf eine Viertelstunde seine Ansprüche für die Zeit der Europameisterschaften darlegen, ohne dass ihn der andere dabei unterbricht», rät die Fachfrau. «Wichtig ist, dass man seine eigenen Ansprüche für die Zeit der EM dem Partner bekannt gibt, dass man aushandelt, wie man sich in den vier Wochen organisieren will, wenn das Interesse an den Fussballspielen nicht gleich gelagert ist.»

Frühzeitige Planung und das Bekanntgeben der eigenen Bedürfnisse helfen, das Konfliktpotential zu mindern – nicht nur während der EM. «Ich sehe eigentlich keine Probleme auf die Paare zukommen», meint Hintermann, «die Fussballeuropameisterschaft dauert ja nur einen Monat. Da kann man sich gut organisieren. Wer allerdings schon vor der EM Mühe damit hatte, die eigenen Ansprüche in einer Beziehung durchzusetzen, der wird es während dieser Zeit sicherlich noch schwerer haben.»

Toleranz mit Gegenleistung belohnen

Ähnlich pragmatisch sieht es der Paar- und Familientherapeut Hannes Spillmann: «Die Fussball-EM dauert einen Monat, ein Spiel ist nach rund zwei Stunden zu Ende. Das ist eine absehbare Zeitspanne, ein Ausnahmezustand, der nicht anhält. Da ist Toleranz und Flexibilität von der Person gefragt, die nicht so sehr an Fussball interessiert ist.»

Das man dem Partner die Zeit zum Fussballschauen einräumt, sollte gemäss Spillmann als Geschenk verstanden werden. «Manchmal muss man in einer Partnerschaft eine Verzichtleistung erbringen - wenn man dafür auch eine vergleichbare Gegenleistung bekommt. Dass man beispielsweise nach dem Fussballspiel gemeinsam einen romantischen Film schaut. Das wäre dann ein schöner Umgang mit der Situation.»

Streit um die Fernbedienung ist «eine Kalberei»

Sich darüber zu streiten, wer wann die Fernbedienung bekommt, wäre laut Spillmann «eine Kalberei und nicht schlau». Und sollte sich während der Fussballeuropameisterschaft tatsächlich etwas ereignen, das absolute Priorität hätte, dann könne man das Spiel jederzeit aufnehmen, «aber das wäre dann wirklich der allerletzte Ausweg.»

Copyright: 20 Minuten    Link zum Artikel

 

 

 

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